Wasserfußabdruck: Grün-, Blau- und Grauwasser

adminZuletzt aktualisiert: 09.06.2026
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Wenn auf green-test bei einem Produkt ein Wasserwert steht, ist das fast nie „so viele Liter sind durch den Wasserhahn geflossen". Wasser zählt in Ökobilanzen differenzierter — und genau deshalb wiegt ein Liter nicht überall gleich schwer. Die international etablierte Aufteilung unterscheidet drei Sorten: Grünwasser, Blauwasser und Grauwasser.

Die drei Wasserarten

Grünwasser

Das ist Regenwasser bzw. Bodenfeuchte, die im Boden gespeichert und von Pflanzen über Verdunstung (Evapotranspiration) verbraucht wird — ohne den Umweg über Grund- oder Oberflächenwasser. Grünwasser dominiert überall dort, wo etwas wächst: Kaffee, Getreide, Baumwolle, Weintrauben. Bei einem Agrarprodukt ist der größte Teil des Wasserfußabdrucks meist Grünwasser.

Wichtig zur Einordnung: Grünwasser ist nicht „schlimm". Es ist der Niederschlag, der ohnehin auf die Fläche fällt. Trotzdem wird er bilanziert, weil die Fläche dadurch gebunden ist und das Wasser an anderer Stelle fehlen kann.

Blauwasser

Oberflächen- und Grundwasser, das aktiv entnommen und verbraucht wird — Bewässerung, Prozesswasser in der Industrie, Kühlung. Das ist das Wasser, das knapp werden kann und um das konkurriert wird. Ein Liter Blauwasser in einer Trockenregion ist ökologisch deutlich relevanter als derselbe Liter in einer wasserreichen Region — Stichwort Wasserstress.

Grauwasser

Keine real verbrauchte Menge, sondern eine Rechengröße: die Menge Frischwasser, die theoretisch nötig wäre, um eingeleitete Schadstoffe so weit zu verdünnen, dass die geltenden Wasserqualitätsgrenzwerte eingehalten werden. Grauwasser macht Gewässerbelastung vergleichbar — etwa durch Düngernitrat aus der Landwirtschaft oder Abwasser aus der Produktion.

Warum das auf green-test zusammengefasst wird

In der Profil-Ansicht erscheint Wasser in der Regel als ein Indikator (Bandbreite, nicht Punktwert). Dahinter steckt die Summe bzw. eine gewichtete Betrachtung dieser drei Anteile entlang des Lebenszyklus P0–P5. Wo die Datenlage es hergibt, weisen die Quellen-Belege im Profil aus, welcher Anteil dominiert — bei Lebensmitteln fast immer Grünwasser, bei industriellen Grundstoffen eher Blau- und Grauwasser.

Der Grund für die Bandbreite: Wasserzahlen schwanken je nach Anbauregion, Bewässerungsart und Methodik stärker als CO₂-Werte. Ein Punktwert würde eine Genauigkeit vortäuschen, die es nicht gibt.

Normbezug

Der Wasserfußabdruck ist in ISO 14046 normiert (Water Footprint — Principles, requirements and guidelines). Die Drei-Farben-Systematik geht auf das Water Footprint Network (Hoekstra et al.) zurück und ist heute der Standard für die getrennte Betrachtung von Grün-, Blau- und Grauwasser.

Kurz: Grünwasser = Regen, den Pflanzen verbrauchen. Blauwasser = entnommenes Grund-/Oberflächenwasser. Grauwasser = rechnerischer Verdünnungsbedarf für Schadstoffe. Erst zusammen ergeben sie ein ehrliches Bild.

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